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Während der Elternzeit als Redaktorin bin ich mit meinem Mann, meiner Tochter (ich nenne sie hier nach ihrem "Wunschnamen" Elisa, geb. Mai 2010) und meinem Sohn ("Brudi", so wurde er von seiner Schwester vor seiner Geburt genannt, geb. Juni 2014) von der Hansestadt an den Zürisee gezogen. Mittlerweile gehöre ich wieder zu den Working Moms und pendel mit den Kindern in den Ferien zwischen der Schweiz und Hamburg. Ich geniesse den Sommer in der Badi genauso wie am Nordseestrand, staune über die verschiedenen Kindergarten- und Kitamodelle und über meine Tochter, die schon nach kurzer Zeit perfekt Schweizerdeutsch spricht.

Mittwoch, 27. Januar 2016

Schweissgebadet beim Kinder-Schwimmkurs

Heute ist wieder Mittwoch, was bedeutet, dass Elisa am Nachmittag ihren Schwimmkurs hat. Um mich nicht falsch zu verstehen: Ich musste grosse Überredungskünste anwenden, damit ich sie zu dem Schwimmkurs überhaupt anmelden durfte. Für sie wäre es nämlich kein Problem gewesen, weiterhin mit Schwimmflügeln zu planschen. Doch nun stresst mich der Schwimmkurs.
Es beginnt schon in der Umkleidekabine. Die ist natürlich überfüllt. Der eigene Schrank ist viel zu klein für unsere Klamotten plus Schwimm- und Wickeltasche und zudem viel zu weit weg von dem Platz, an dem wir sitzen. Wobei bei Brudi von Sitzen keine Rede sein kann. Wie ein Wahnsinniger läuft er zwischen den Frauen und Kindern umher, öffnet alle Schränke, fängt an sie auszuräumen etc. Er liebt es ausserdem, sich genau hinter die Eingangs- und Ausgangs-Türen zu stellen. Ich muss ihn also ständig retten, damit er nicht von der Tür niedergeschlagen wird, wenn jemand hereinkommt.
Und er geht nur allzu gern in die Einzelkabine und macht dort die Tür hinter sich zu. Um gleich danach zu jaulen, weil er sie nicht wieder aufbekommt. Der Clou am Schwimmkurs ist zudem, dass Eltern sich auch umziehen müssen, selbst wenn sie gar nicht ins Wasser gehen.

Krokodil und Eisbär statt Bronze, Silber, Gold

Schwimmkurse sind in der Schweiz übrigens etwas anders aufgebaut als in Deutschland. Ich platzte als Fünfjährige vor Stolz, als meine Mutter mir endlich das Seepferdchen-Abzeichen an den Badeanzug nähen konnte, wie die meisten Kinder wohl immer noch. Dazu müssen die Schwimmschüler damals wie heute vom Beckenrand springen, 25 Meter schwimmen und einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser heraufholen. Dieses Abzeichen, wie auch die darauffolgenden Bronze, Silber und Gold, kennt man in der Schweiz so nicht. Insgesamt gibt es hier nämlich 64 Schwimmtests mit verschiedensten Abzeichen, die helfen, den Schwimmunterricht methodisch zu gliedern und Ziele zu überprüfen. Allein im Bereich der Wassergewöhnung für Babys und Kleinkinder gibt es sechs, z.B. Entli, Schwan und Biber. Diese sollen jedoch nur als Motivation zum Besuch des Kurses dienen. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland: Die Kinder lernen hier in den Anfängerkursen verschiedene Techniken gleichzeitig. Als Elisa der Schwimmlehrerin nach dem Sommerurlaub stolz erzählte, dass sie schon mehrere Meter Brustschwimmen kann, war diese gar nicht so begeistert. Weil man sich so wohl leicht die falsche Technik aneignet, indem man beispielsweise den Kopf die ganze Zeit über Wasser hält. Also bin ich nun gespannt, wie und mit welcher Technik Elisa nach Beendigung des Kurses schwimmt.

Wenn es übrigens gut läuft, ist von ihr in der halben Stunde des Kurses nicht viel zu hören. Wenn es schlecht läuft, kommt sie weinend aus dem Wasser gelaufen. Weil die Schwimmbrille verrutscht ist, und sie Wasser ins Auge bekommen hat. Weil ein Junge sie unter Wasser angerempelt hat. Im schlimmsten Fall, weil sie aufs WC muss. Dann muss ich mir Brudi unter den Arm klemmen und renne mit ihr zu den Toiletten. Die stillen Örtchen im Schwimmbad sind ja von jeher speziell, weil alles nass ist, und man nicht weiss, um welche Art von Feuchtigkeit es sich nun auf der WC-Brille und auf dem Boden handelt. Ich versuche also, ihr die Sitzfläche mit Toilettenpapier zu trocknen und verteile noch etwas Papier auf der Brille, damit sie sich draufsetzen kann. Wobei ich eigentlich gar nicht weiss, wie ich das machen soll. Weil Brudi, den ich kurz abgestellt habe, inzwischen Interesse an der Klobürste bekundet. Herrje. So, wenn schliesslich alles geschafft ist, eilen wir zurück in die Schwimmhalle.
Mit Brudi plansche ich während ihres Kurses im Kinderbecken. Er trägt dabei sogenannte Kraulquappen, eine Art spezieller Schwimmflügel um die Arme, mit denen er sich gut über Wasser halten kann, ohne mit dem Kopf unterzutauchen. Wenn wir in den Ferien in Hamburg sind, besuche ich mit ihm übrigens manchmal einen Wassergewöhnungskurs für Ein- bis Zweijährige. Der ist wirklich super, weil man ohne Anmeldung hingehen kann und tolle altersgerechte Übungen gemacht werden. Zumeist ohne Schwimmflügel, damit die Kinder ein besseres Körpergefühl im Wasser entwickeln. Hier klappt es mit einem Kurs für ihn leider nicht, weil die Lektionen zu spät am Abend für uns sind - und ich zudem auch noch Elisa dabei hätte. Und mit einem Schwimmbad-Besuch pro Woche ist mein Bedürfnis nach Schwimmwindeln an- und ausziehen, Chlorwasser in Kinderaugen und nackten Füssen in nassen Toiletten-Kabinen auch wirklich bedient. 






Kommentare:

  1. Sehr schöner Bericht, habe mich gut amüsiert! Und kann auch mitfühlen, stressig ist so ein Schwimmbadbesuch mit zwei Kindern wirklich :-)

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    1. Ja, ich hoffe, im Sommer können wir dann die Früchte der Anstrengungen ernten und schwimmen gemeinsam im Zürisee. Und mein Mann passt auf Brudi auf :)

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